Trotz hohem Engagement braucht die Nachbarschaftshilfe Unterstützung


Mein Garching, September 2013


Im Frühsommer fanden bei der Nachbarschaftshilfe Garching Neuwahlen statt. Nach 22 Jahren Vorstandstätigkeit, davon 18 Jahre als erste Vorsitzende, gab Ăsa Gless ihren Posten auf und Angelika Faschinger wurde zur neuen Vorsitzenden gewählt. Für Mein Garching ein guter Grund, die neue Vorsitzende zum Interview zu bitten.

Seit 1969 ist die Nachbarschaftshilfe in Garching aktiv und inzwischen ein wichtiger Bestandteil im sozialen Leben der Stadt geworden. Ob in der Ambulanten Pflege, Betreutem Wohnen, Aktivierungsgruppe für Menschen mit Demenz, Familien-und Seniorenhilfe, Kindertagespflege oder Mittagsbetreuung, um nur einige Bereiche zu nennen, ist die Nachbarschaftshilfe (NBH) engagiert. Ein weites Feld, wo sehen Sie hier bei Ihrer Arbeit als neue Vorsitzende die Schwerpunkte?

Angelika Faschinger: Die NBH soll auch weiterhin mit ihrem breitgefächerten Angebot zur Hilfeleistung ein unverzichtbarer Bestandteil im Sozialgefüge unserer Stadt bleiben. Dabei ist es uns wichtig, bedarfsorientiert zu arbeiten, das heißt, wir schauen, in welchen Bereichen des täglichen Lebens von den Garchinger Bürgern Hilfe benötigt wird. Heute leistet die NBH in 19 verschiedenen Ressorts Hilfe, von der Kleinkinderbetreuung bis hin zur Begleitung durch unsere Hospizhelfer. Die NBH ist in den letzten Jahren enorm schnell gewachsen. Sie hat heute die Größenordnung eines mittelständischen Unternehmens. Natürlich ist die Arbeit des gesamten Vorstands mit der damit verbundenen Verantwortung eine Herausforderung. Dabei dürfen wir nicht außer Acht lassen, dass wir nicht nur unseren Kunden gegenüber Verantwortung haben, sondern auch als Arbeitgeber das Wohlergehen unserer Mitarbeiter große Priorität hat. Um all dies zu gewährleisten, steht für die kommenden Jahre eine Strukturentwicklung an. Beratend unterstützt uns hier der Paritätische Wohlfahrtsverband. Unser Ziel ist es, für den gemeinnützigen Verein mit seinen engagierten Mitarbeitern eine solide Struktur zu schaffen, um auch in Zukunft den gestellten Aufgaben gerecht werden zu können.

Im Sommer hat die Ambulante Pflege der Nachbarschaftshilfe Garching bei der Qualitätsprüfung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen die Traumnote 1,0 erhalten. Davon träumen viele Anbieter und dieses Ergebnis spricht für die Professionalität der Nachbarschaftshilfe. Was ist das Geheimnis dieses Erfolges?

Faschinger: Das Prüfungsergebnis zeigt, dass die gesetzlichen Vorgaben im Sinne des Qualitätsmanagements optimal umgesetzt werden. Dies bedeutet, dass unser bestens ausgebildetes Pflegeteam eine auf die Bedürfnisse der Kunden abgestimmte Pflege und Betreuung garantiert und trotz wirtschaftlicher Vorgaben der Patient als Mensch im Vordergrund steht. Unserer Pflegedienstleitung Gabi Schönfeld liegt hierbei die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter sehr am Herzen, denn nur ein ausgeglichenes kollegiales Team kann diese hervorragende Arbeit leisten.

Können Sie unseren Lesern sagen, wie viele Mitarbeiter für die Nachbarschaftshilfe tätig sind?

Faschinger: In unseren 19 Ressorts sind derzeit 28 Voll- und Teilzeitmitarbeiter, 48 Mini-Jobber, und 67 Mitarbeiter gegen Aufwandsentschädigung tätig. Bei diesen Zahlen darf man die zusätzlich rein ehrenamtlichen Stunden, die in verschiedensten Bereichen geleistet werden, nicht außer Acht lassen.

In welchen Bereichen benötigt die Nachbarschaftshilfe personelle und finanzielle Unterstützung?

Faschinger: Aufgrund der vielen Anfragen zur Alltagsbewältigung, wird vor allem in den Bereichen der Familien- und Seniorenbetreuung immer personelle Unterstützung gesucht. Gerade in der Betreuung von Menschen mit Demenz suchen wir Mitarbeiter, die bereit sind, diese verantwortungsvolle Aufgabe zu übernehmen. Natürlich, die Finanzen sind immer ein wichtiges Thema. Trotz umsichtigen Wirtschaftens können wir nicht kostendeckend arbeiten. Allein durch die Mitgliedsbeiträge kann sich NBH nicht finanzieren. Neben der Unterstützung durch die Stadt Garching waren wir in der Vergangenheit und sind wir auch in Zukunft auf Spenden angewiesen. Zum Beispiel im Bereich der Kleinkindbetreuung ist ein kostendeckendes Arbeiten überhaupt nicht möglich. Würde man die Betreuungsbeiträge entsprechend erhöhen, könnten sich die Eltern diese Form der Betreuung nicht mehr leisten. Im gerade neu strukturierten Kinder-Club werden sich in Zukunft durch die Umorganisation die Kosten mit Sicherheit reduzieren. Eine gute Betreuung der Kinder liegt uns selbstverständlich sehr am Herzen und ist weiterhin unser Ziel. „Betreut zu Hause wohnen bleiben" das wünscht sich jeder im Alter. Aber nicht jedem ist es möglich, sich Hilfe für die Alltagsbewältigung zu leisten. Bei uns finden Hilfesuchende und deren Angehörigen ein offenes Ohr. Die NBH steht ihnen kompetent zur Seite und stellt die benötigte Unterstützung zur Verfügung. Auch hier sind wir auf Spenden angewiesen, um dies alles zu ermöglichen.

Als Vorsitzende eines Vereins, der schon die Größe eines mittelständischen Unternehmens hat, leisten Sie die Arbeit einer Top-Managerin mit all den Belastungen, die diese große Verantwortung mit sich bringt.

Faschinger: Neue Herausforderungen stehen tagtäglich an und die Verantwortung ist wirklich sehr groß. Ich bin froh, dass ich auf die Unterstützung der weiteren Vorstandsmitglieder zählen kann. In unserem 7-köpfigenTeam sind alle gleichberechtigt und jeder bringt sich mit den unterschiedlichsten beruflichen Ausbildungen und Erfahrungen, Begabungen und Sichtweisen ein. Alle Entscheidungen werden gemeinsam getroffen.

Wie motivieren Sie sich für diese Aufgabe?

Faschinger: Uns — alle Mitarbeiter der NBH — verbindet der soziale Gedanke und das schöne Gefühl Gutes zu tun. Die gute kollegiale konstruktive Zusammenarbeit macht Freude und bringt uns voran. Das Wissen, dass alle Ressortleiter und Mitarbeiter, egal in welchem Bereich sie für die NBH tätig sind, mit dem Vorstand an einem Strang ziehen, gibt einen wichtigen Rückhalt. Laufend positive Rückmeldungen von betreuten Personen sind auch eine wichtige Bestätigung für den persönlichen Einsatz.

Eine Frage zur Vergangenheit, wie sind Sie zur Nachbarschaftshilfe gekommen?

Faschinger: Mein erster Kontakt mit der Nachbarschaftshilfe war 1994. Meine beiden Söhne habe ich damals zur Betreuung in den Kinderpark gebracht. Auch Frau Solbrig betreute damals meine Kinder im Kinderpark. 1999 sprach sie mich dann an, dass im Büro der Nachbarschaftshilfe Unterstützung benötigt wird und ob das nicht etwas für mich wäre. Die Ambulante Pflege wurde gerade aufgebaut und für die Büroabwicklung musste ja auch einer zuständig sein. So übernahm ich die anfallenden Tätigkeiten wie das Anfordern der häuslichen Krankenverordnungen und die Abrechnung mit den Pflege- und Krankenkassen. Waren es anfangs 10 Rechnungen im Monat, stellen wir heute mehr als 200 Rechnungen an die Krankenkassen, Pflegekassen und Privatpersonen. 2001 wurde ich Vorstandsmitglied: zuerst Beisitzerin, dann Schriftführerin und Kassiererin und in der Wahl am 6. Juni dieses Jahres wurde ich zur Vorstandsvorsitzenden gewählt.

Bei Ihrem Engagement haben Sie da noch Zeit für ein Hobby?

Faschinger: Wichtig sind mir an erster Stelle meine Familie und meine Freunde. Autodidaktisch widme ich mich seit vielen Jahren der Malerei und bei meinen jährlichen Akademiebesuchen finde ich einen Ausgleich zu meiner von Organisation und Finanzen geprägten Arbeit. Seit dem Jahr 2000 singe ich mit Begeisterung im Chor St. Severin. Singen macht wirklich Freude.

Zum Schluss noch eine hypothetische Frage, wenn Sie drei Wünsche frei hätten, was würden Sie sich für die Nachbarschaftshilfe wünschen?

Faschinger: Als Bankkauffrau habe ich natürlich immer die Zahlen der NBH im Kopf. Ich wünsche mir, dass den Garchinger Bürgern und allen in Garching ansässigen Unternehmen und Betrieben die sozialen Bedürfnisse ihrer „Nachbarn“ am Herzen liegen und sie die Arbeit der NBH als finanziell unterstützungswert sehen. Durch ihre Spenden ermöglichen sie auch in Zukunft ein gutes Weiterführen unserer Arbeit. Wertschätzung unserer Arbeit. Zeigen kann uns dies jeder, indem sie/er Mitglied bei der NBH wird. Gesundheit und Zufriedenheit für alle Mitarbeiter in der NBH und ein weiterhin kollegiales Miteinander, um die NBH erfolgreich in die Zukunft zu steuern.

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