Über das Leben und Sterben in Würde: 10 Jahre Garchinger Hospizkreis


Pressemitteilung vom 23.08.2016


„Hoffnung gießt in Sturmnacht Morgenröte“. Mit diesem Vers von Johann Wolfgang von Goethe setzt die Ausstellung „Fluss der Gezeiten - Was Begleitung am Lebensende mit uns macht“ am 17. September 2016 den Auftakt zum 10-jährigen Jubiläum des Garchinger Hospizkreises. Bis in den November hinein können sich Interessierte in Bildern, Texten und Worten mit dem Dasein am Ende des Lebens auseinandersetzen. Zwei exklusive Filmvorführungen und ein kurzweiliger Vortrag zum Thema „In Ruhe sterben“ runden die Jubiläumsfeierlichkeiten des Garchinger Hospizkreises noch ab. Für die engagierten Hospizhelferinnen steht dabei nicht ihr eigenes Handeln im Vordergrund. Den Veranstaltern geht es um jene Dinge, die in den letzten Monaten, Wochen, Tagen eines Menschenlebens von Bedeutung sind – ganz allgemein und in Bezug auf jeden Einzelnen von uns.

Der Hospizgedanke beschäftigt sich nicht nur mit dem Sterben, sondern eben auch mit dem Leben. Er betrachtet das menschliche Dasein von seinem Beginn bis zu seinem Tod als ein Ganzes. Vorrangig dabei: die Würde des Menschen und der Erhalt größtmöglicher Autonomie bis zum Lebensende. Voraussetzung hierfür ist der Ausbau ambulanter Strukturen, die Knüpfung regionaler Netzwerke und eine enge Zusammenarbeit unterschiedlicher Professionen und Ehrenamtlicher. Die Beihilfe zur Selbsttötung oder gar eine Tötung auf Verlangen und ist auf Grundlage dieses lebensbejahenden Ansatzes ausgeschlossen.

In Garching gibt es Menschen, die bereit sind, Schwerkranken und Sterbenden in ihrer letzten Lebensphase zur Seite zu stehen. Sei es in einem Pflegeheim, im Krankenhaus oder im eigenen Zuhause. Die Garchinger Hospizhelferinnen sehen ihre Aufgabe darin, für die Kranken da zu sein: mit Gesprächen, mit Vorlesen, Spazierengehen, Wachen – auch in der Nacht – oder einfach nur mitfühlend zuzuhören. Den Angehörigen wollen sie helfen, indem sie diese bei der lückenlosen Betreuung des Sterbenden entlasten. Eine medizinische oder pflegerische Betreuung können und dürfen die Hospizhelferinnen nicht leisten. Dafür vermittelt der Garchinger Hospizkreis professionelle oder palliative Hilfsangebote und berät bei Themen wie Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht. Er steht in regem Austausch mit dem Hospiz- und Palliativ-Netzwerk des Landkreises München. Außerdem gehört der Garchinger Hospizkreis der ARGE Hospiz-Bündnis für ambulante Hospiz- und Palliativarbeit im Landkreis München an und arbeitet eng mit dem Zentrum für Ambulante Hospiz- und Palliativ-Versorgung (ZAHPV) München-Land zusammen.

Die Idee zur Gründung eines Hospizkreises in Garching ging von Vertretern der beiden christlichen Kirchen sowie der Nachbarschaftshilfe Garching e.V. aus. Voraussetzung für die Mitwirkung waren der Besuch eines Grundseminars und ein dreimonatiges Hauptseminar. Schwerpunkt in der Ausbildung zur Hospizbegleitung war auch ein praktischer Teil: dieser bestand aus zehn Besuchen bei einer Patientin oder einem Patienten in den Pflegeheimen in Ismaning und Unterschleißheim. Im September 2006 startete der Garchinger Hospizkreis dann offiziell mit seiner Tätigkeit. Das Projekt fand großen Anklang und entwickelte sich schnell weiter. Heute sind 12 Helferinnen aus Garching und Garching-Hochbrück im hiesigen Hospizkreis tätig. Sie arbeiten überkonfessionell, ehrenamtlich und kostenfrei. Ihr Handeln unterliegt der Schweigepflicht. Interessierte können sich jederzeit vertrauensvoll an sie wenden.


Der Garchinger Hospizkreis (v.l.n.r.): M. Zlatic, M. Hansen, J. Siebenschuh-Petsch, E. Schneider, I. Ebner, W. Krosse, I. Stanglmeier, B. Jandl, L. Urbas, Dr. I. Ludwig, H. Listl-Kraus (nicht im Bild: K. Yilmaz)

Kontakt über das Büro der Nachbarschaftshilfe Garching e.V.:
Rathausplatz 1, 85748 Garching
Tel.: 089 320 13 48
Öffnungszeiten:
Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag 9.00 - 11.00 Uhr
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Details zu den einzelnen Jubiläumsveranstaltungen:

Ausstellung „Fluss der Gezeiten - Was Begleitung am Lebensende mit uns macht“

vom 17. Sept. 2016 bis 9. Okt. 2016 im Seniorenzentrum Garching, Mühlfeldweg 4
Eröffnung am Samstag, 17. September 2016 um 15 Uhr

In dieser Ausstellung werden Grundeinstellungen der Hospizarbeit bildlich und mit Gedichten dem Betrachter nahegebracht. Sie lädt uns ein, innezuhalten und über Hoffnung, Geduld, Vertrauen und Offenheit, Aufrichtigkeit, Liebe, Mut und Glück, Dankbarkeit in unserem Leben nachzudenken.

Für ein Gespräch zum Thema Sterben und nicht allein sein sind die ehrenamtlichen Hospizbegleiterinnen des Garchinger Hospizkreises gerne bereit.

Filmabend mit den Dokumentarfilmen „Noch 16 Tage“ und „Die letzte Station“

Donnerstag, 29. September 2016 um 19 Uhr, Theater im Römerhof, Riemerfeldring 2

Gezeigt werden zwei Dokumentarfilme, die 1971 im ZDF ausgestrahlt wurden und die wesentlich zum Entstehen der Hospizbewegung in Bayern beigetragen haben.

Der Film „Noch 16 Tage“ wurde von einem deutschen Filmteam unter der Leitung von P. Reinhold Iblacker, einem Münchner Jesuiten, in dem von Dr. Cicely Saunders gegründeten „St. Christopher’s Hospice“ in London gedreht. Er zeigt in bewegender Weise einen neuen Umgang mit schwerstkranken Menschen und solchen, denen nur noch eine kurze Lebenszeit gegeben ist.

In dem Film „Die letzte Station“ verarbeitet das Filmteam seine Betroffenheit während der Dreharbeiten. Dieses Werk wurde mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet.

Im Anschluss an die Dokumentation steht Frau Theißing vom Chistophorus Hospiz Verein München gerne für Fragen zur Verfügung.

Vortrag Prof. Dr. Dr. Reimer Gronemeyer „In Ruhe sterben - Was wir uns wünschen und was die moderne Medizin nicht leisten kann“

Dienstag, 15. November 2016 um 19.30 Uhr in der Stadtbücherei Garching, Bürgerplatz 11 (In Kooperation mit der Stadtbücherei und der VHS Nord)

Der medizinische Kampf gegen den Tod hat absurde Züge angenommen. Technik und Bürokratie haben sich in Kliniken und Hospizen breitgemacht; das "qualitätskontrollierte Sterben" wird zur Realität. Reimer Gronemeyer fordert angesichts dieser Fehlentwicklung eine Umkehr: Am Lebensende brauchen wir vor allem die freundschaftliche Sorge anderer, eine fürsorgliche Begleitung, in der die sterbenden Menschen der Maßstab allen Handelns sind.

Reimer Gronemeyer war als promovierter Theologe zunächst Pfarrer in Hamburg, bevor er sich der Soziologie zuwandte. Seit 1975 hat er einen Lehrstuhl für Soziologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen inne. Seine Publikationsliste umfasst mehr als 30 Buchtitel; u.a. "Sterben in Deutschland", "Kampf der Generationen" und "Wozu noch Kirche?" Reimer Gronemeyer hat sich in den vergangenen Jahrzehnten in zahlreichen Initiativen, Expertengruppen und Organisationen mit den Themen Aidsbekämpfung, Palliativ-Medizin, Hospizbewegung sowie Demenz beschäftigt. Derzeit ist er Vorstandsvorsitzender der Aktion Demenz e.V. und ein viel gefragter Redner auf Tagungen und Kongressen.

Der Garchinger Hospizkreis und die Nachbarschaftshilfe Garching e. V. freuen sich auf zahlreiche Gäste und emotionale wie auch interessante Einblicke in das Thema Hospizbegleitung.